Samstag, 25. Februar 2017

Nintendos größter Flop: Meine unglückliche Liaison mit dem Virtual Boy

Nintendos Fangemeinde erlebt gerade aufregende Zeiten. Die Switch wirft ihren großen Schatten voraus. Im Zuge dessen wird die Wii U zu Grabe getragen. Dies löst durchaus Kontroversen aus. Während der Nachfolger der bahnbrechenden (und sich obendrein auch noch exzellent verkaufenden) Wii von nicht wenigen Besitzern heiß und innig geliebt wird, spottet das andere Lager über gerade mal rund 13,5 Millionen abgesetzte Einheiten der Wii U.

Mir fällt da spontan eine weitere Konsole von Big N ein, welche ebenfalls dezent hinter den Erwartungen zurückblieb. Sage und schreibe 770.000 Käufer fanden die Japaner für den Ableger des Game Boys. Und einer dieser nicht ganz so stolzen Besitzer war ich. 1995, im Alter von pickeligen 15 Jahren. 



Der Virtual Boy wurde von Gunpei Yokoi, dem Schöpfer des Game Boys erdacht. Man kann ihn wohl am ehesten mit einer Taucherbrille vergleichen. Nur wird er nicht durch ein Gummiband am Kopf fixiert, sondern auf einem Stativ befestigt. Diese Konstruktion steht dann vor dem Spieler. Man muss seine Augenpartie an einen Sichtschutz aus Neopren leicht randrücken, um das Bild auf zwei kleinen Screens in drei Rotschattierungen auf schwarzem Hintergrund wahrnehmen zu können. 


Der Clou an der Sache war damals, dass der Virtual Boy, aufgrund einer ausgeklügelten Mechanik mit schwingenden Spiegeln und in Reihe angeordneten roten LEDs, ein dreidimensionales Bild zaubert. Dieses Buzzfeed Video zeigt das Prinzip der Konsole recht anschaulich.

Ich habe mir damals den Virtual Boy aus den USA bestellt. In Deutschland, bzw. Europa, erschien er nie. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er nach seinem Release am 15. August 1995 kein Jahr später, nämlich am 02. März 1996, wieder eingestellt wurde.

Ich weiß bis heute nicht, wie ich das Geld für den Virtual Boy zusammengekratzt habe. Er kostete stolze 180,- US-Dollar, daher gehe ich von einem Importpreis von 280,- DM aus. Das war richtig viel Geld für einen 15jährigen der noch zur Schule ging und 30,- DM im Monat Taschengeld bekam.

Ich war richtig heiß auf den Virtual Boy, da ich sowieso ein kleiner Nintendo Fanboy war und mich schon immer eher für Handelhelds begeisterte. Eine stationäre Konsole hatte bei mir weniger Priorität. Ich bewunderte Nintendos Mut zur Innovation, solch ein Gerät auf den Markt zu bringen. Auch war ich sehr vom Design des Virtual Boys angetan. Dieses stilistisch im Science Fiction der 1980er Jahre angesiedelte Aussehen im matten Rot-Schwarz begeistert mich bis heute. 

Ich werde nie den seltsamen chemisch beissenden Geruch vergessen, der mir beim ersten Öffnen des Kartons entgegenströmte. Heute kann ich nicht mehr sagen, ob es am Neopren des Sichtschutzes lag. Vielleicht war auch der Leim der Presskarton-Schale, in der sich das Gerät befand (es wurde erfreulicherweise auf Styropor verzichtet), daran schuld. Oder gar eine Melange aus beiden Komponenten. 
Beim Auspacken fiel mir die Steuerungseinheit mit den zwei Steuerkreuzen sehr positiv auf. Damit hätte ich äußerst gerne eine Virtual Boy Version von "Pilot Wings" gespielt. Ganze sechs Batterien fasst der Controller, welcher über ein dickes Kabel die Konsole mit Strom versorgt. Die Konstruktion mit der Brille auf dem Stativ überzeugte mich von Anfang an überhaupt nicht, da man mit etwas Gewalt die Feststellschraube extrem überdrehen konnte und ich immer das Gefühl hatte, der Virtual Boy würde leicht schief sitzen. Enttäuscht war ich auch vom 3D Effekt. Der ist definitiv vorhanden, allerdings nutzen die wenigsten der erschienenen 22 Spiele die Tiefe des Bildes auf sinnvolle Weise. Mit Mario Tennis lag (in der US-Version) ein klug gewählter Titel bei. Nintendos prominentester Charakter jagt auf einem dreidimensionalen Court den Filzbällen nach, die ihm Bowser, Luigi und Co um die Ohren hauen. Das machte durchaus Laune, offenbarte jedoch die (meiner Meinung nach) vier größten Schwächen des Virtual Boys:

1. Es machte einfach generell keinen Spaß auf dem Ding zu spielen. Man verkrampfte bei haarigen Spielsituationen einfach viel zu oft in dieser gebückten Haltung. Nach 30 Minuten verspürte ich Rücken und das Bedürfnis, mich flach auf den kalten Küchenfliesenboden zu legen, um ihn zumindest wieder eingermaßen begradigen zu können. Dem Glöckner von Notre-Dame wollte ich nicht unbedingt nacheifern. 
Ein großes Manko war auch, dass man damals aufgrund der unausgereiften LED-Technik auf rote Bildpunkte beschränkt war. Und ich kann allen Lesern versichern: Rot auf schwarz entspannt weder das Auge, noch den Geist. Es macht eher latent aggressiv und stresst die Iris. Und es trübt die Spielfreude.

2. Das Ding war einfach nicht mobil! Zwar konnte man, losgelöst von der Flimmerkiste, das Ding überall in der Wohnung auf einem Tisch oder den Fußboden stellen. Da das Stativ allerdings ein Muss war, konnte man unmöglich auf dem Klo spielen. Und eine Konsole, die für längere Sessions auf der Brille des Lebens gänzlich ungeeignet ist, hat das Label "mobil" nicht verdient. 

3. Wirklich ernüchternd war für mich die Grafik. Als großer Fan von Nintendos SciFi-Shooter Star Wing, empfand ich diesen Titel auf dem Super Nintendo technisch weitaus fortgeschrittener, als das, was mir der Virtual Boy mit seinem auf der Packung großartig angepriesenen 32-Bit Risc Processor bot. Man darf nicht vergessen, dass zu diesem Zeitpunkt die PlayStation bereits auf dem Markt war (und gerade den Sega Saturn unter sich begrub). Auch stand der N64 so langsam aber sicher in den Startlöchern. Und da kommt Nintendo mit einem wenig mobilen Handheld zum Preis einer stationären Konsole auf dem Markt, der solch eine Grafik abliefert (Video)?

4. Eine Katastrophe war es auch, dass der Virtual Boy den Spieler isoliert. Ein Linkkabel, um zwei Konsolen aneinander zu hängen, wurde nie ausgeliefert (Spiele im 2-Player-Modus sind somit ausgeschlossen). Eine ebenfalls im Raum anwesende Person konnte dem Spieler lediglich beim spielen zusehen, aber am eigentlichen Spielgeschehen überhaupt nicht teilhaben. 

Wundert sich noch irgendjemand, wieso der Virtual Boy so brutal gefloppt ist? Ich weiß, es ist ein hanebüchener Vergleich: Als ich vor einigen Wochen die PlayStation VR bei Sebastian Stange von gamespodcast.de ausprobieren konnte, hatte ich das Gefühl, die PlayStation hätte mich verschluckt. Beim Virtual Boy (der aufgrund seines Namens sich zumindest in irgendeiner Form an einer virtuellen Realität messen lassen muss) hatte man dagegen den Eindruck, man linst gebückt durch ein Schlüsselloch in das Spiel hinein. 

Der Virtual Boy mag im Nachhinein ein Liebhaberobjekt abseits des Mainstreams sein. Ich empfand ihn damals als Frechheit. Ich habe einfach jedes Mal schlechte Laune bekommen, wenn ich ihn doch mal rausgekramt habe. Jahre später verkaufte ich das eingestaubte Ding, da ich Kohle für einen Neo Geo Pocket Color benötigte. Heutzutage zahlt man auf Ebay rund 250,- Euro für das Gerät. Und auch damals bekam ich einen guten Preis dafür. Ich würde gerne behaupten, dass ich es irgendwann einmal bereut habe, den Virtual Boy einfach so verklopft zu haben. Aber das wäre gelogen - ich weine ihm keine einzige (virtuelle) Träne nach.

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)

Mittwoch, 22. Februar 2017

Der große schwarze Octopus: Mein erstes Mal Nintendo

In diversen Facebook Gruppen, in Foren und auf sonstigen sozialen Medien (vielleicht ja sogar ab und an auch im richtigen Leben) fällt immer mal wieder die Frage nach der ersten eigenen Nintendo Konsole.
Ich möchte bei meiner Antwort einen Schritt weiterdenken: Wann kam ich denn das erste Mal überhaupt mit Nintendo in Berührung?

Die korrekte Antwort auf diese Frage zu finden, gestaltet sich gar nicht so einfach. Das Schwierige an Erinnerungen ist, dass sie oft sehr trügerisch sind. Früher waren die Dinge ja meist nicht besser, sondern einfach anders. Wir filtern unsere Erinnerungen und deuten die Vergangenheit häufig (unbewusst) ein wenig um. Mal zum Positiven, mal zum Negativen und manchmal, weil wir uns einfach nicht mehr richtig erinnern können.

Mein erstes Mal Nintendo war lange vor meiner ersten eigenen Nintendo Konsole. Es war zu einer Zeit, als es noch kein Internet (für den Hausgebrauch) gab. Eine Zeit, in der man ohne Handys, geschweige denn ein Smartphone, auskommen musste und tatsächlich auch auskommen konnte. 

Je intensiver ich über meinen Erstkontakt mit den Japanern nachdenke, um so unschlüssiger werde ich, was den damaligen Zeitpunkt betrifft. Und um so mehr Zweifel kommen in mir auf, dieses bedeutende Weltereignis im korrekten historischen Kontext wiedergeben zu können. 

Wenn man eingehend in seinen Erinnerungen kramt, ist es sicherlich von Vorteil, sich auf die Beantwortung der vier "W"s zu konzentrieren: Wer, wo, was und schließlich natürlich auch wann.

WER war dabei? Diese Frage ist leicht zu beantworten. Es war mein zweieinhalb Jahre älterer Bruder. Nur in seiner Begleitung war es mir nämlich erlaubt, mich ohne einen Erziehungsberechtigten in der Innenstadt Nürnbergs und in all den dort ansässigen Geschäften herumzutreiben. Mein Bruder war es auch, der zu Hause erwirkte, dass wir einen C64 mit Datasette bekamen und an den heimischen Röhrenfernseher anschließen durften. Wie das halt meistens so ist: Die älteren Geschwister zeigen den jüngeren, wo es langgeht.

So war es also mein Bruder, der mich (widerwillig) mit in die Einkaufsmeilen nahm. Womit wir auch schon beim Wo wären: Damals besaßen die wenigsten Haushalte eine Videospielkonsole, da diese Kästen gesellschaftlich weit weniger akzeptiert waren als zu unserer heutigen Zeit. Man spielte in den Spielwarenabteilungen der großen Kaufhäuser und in den Spielwarenfachgeschäften. Märkte wie Saturn oder Media Markt gab es zwar schon, waren aber in meiner direkten Umgebung nicht präsent. 
Wir steuerten, vorbei an Lego und Playmobil (damit spielten wir ja bereits seit Jahren im gemeinsamen Kinderzimmer), schnurstracks auf die Videospiel-Ecke zu. Hier kam es manchmal vor, dass die Vorführstationen entweder abgeschaltet oder komplett abgebaut waren. Dann drückte man sich die Nasen an den Vitrinen platt, um wenigstens die Texte auf den Rückseiten der Spieleverpackungen zu entziffern und auf den kleinen Vorschaubildern etwas erkennen zu können.
In den meisten Fällen war aber zumindest ein Testgerät in Betrieb, und es war seitens des Verkaufspersonals durchaus akzeptiert, dass man sich als Zwetschger ohne einen Pfennig Geld in der Knickerbocker seiner Sehnsucht nach Videospielen hingab. Wir waren akzeptiert wie kleine streunende Straßenhunde. Ab und zu gab es mal einen (verbalen) Tritt, wenn ein Erwachsener, der auch wirklich die Absicht hatte etwas zu kaufen, an das Testgerät musste. Aber generell ertrug man uns mit gutmütiger Gelassenheit.


Aber Was spielten wir eigentlich damals? Ich erinnere mich noch gut an Duck Hunt. Fröhlich hektisches Entenschießen auf dem NES, mit Hilfe dieser futuristischen Plastik-Knarre mit der wunderschönen Bezeichnung "Zapper".


Überhaupt lief damals fast nur das Nintendo Entertainment System in den Kaufhäusern. Segas Master System war kaum präsent. Atari schon nicht mehr angesagt.
Dadurch lässt sich auch das Wann etwas eingrenzen. Es muss zu einer Zeit gewesen sein, als der NES schon in Deutschland etabliert, der Game Boy allerdings noch nicht auf dem Markt war. Und es war definitiv vor dem Release des amerikanisch-europäischen Super Mario Bros. 2 (der Nachfolger des legendären ersten Teils, der eigentlich keiner war). Ich tippe also auf das Jahr 1988. Da war ich zarte 8 Jahre alt.

Um nach langer Schwelgerei in mühsam hervorgekramten Erinnerungen endlich mal auf den Punkt zu kommen: Mein erste Mal Nintendo war dann doch nicht der NES. Denn der war an jenem denkwürdigen Tag von den größeren Jungs umstellt. Das bedeutete: Keine Chance, auch mal dran zu kommen. Ich musste mich enttäuscht nach etwas anderem umsehen. Und da fiel mir eine Vorführstation mit LCD Spielen auf. Die sahen seltsamerweise nicht so billig aus, wie die quietschbunten Nervtöter auf dem Pausenhof. Diese schienen ganz anders zu sein. Die Gehäuse hochwertig verarbeitet, mit geschmackvollen Farbkombinationen in Metallic-Look veredelt. Und es prangte dieser magische Schriftzug auf den Geräten: Game & Watch NINTENDO
Vom Bildschirm des ersten Gerätes, das mir in die vor Aufregung ganz schwitzigen Fingerchen kam, glotzte mir ein großer schwarzer Octopus mit gelangweiltem Silberblick entgegen. Es galt, an seinen Fangarmen vorbei, mit einer Mannschaft aus drei Tiefseetauchern eine Schatztruhe zu bergen. Und obwohl es nur ein LCD Spiel war, bürgte der Name Nintendo auch damals schon für Qualität. Ich vergaß alles um mich herum. Die Game & Watch Spiele waren einfach so viel besser als alle anderen LCD Spiele der damaligen Zeit. Leider waren sie auch unerschwinglich. Ich kenne bis heute niemanden, in dessen Privatbesitz (als Kind) sich ein Game & Watch Spiel befand. 

Ein letzter Punkt: Meine erste eigene Nintendo Konsole war schließlich 1990 der klassische Game Boy. Mein Bruder hatte ihn irgendwie heimlich über einen zwielichtigen Schulkameraden aufgetrieben. Er versteckten ihn unter seinem Bett. Als er nach drei Tagen aufflog (ich hab ihn NICHT verpetzt), durfte er ihn behalten, musste ihn aber mit mir teilen. Je eine halbe Stunde am Tag war es uns vergönnt zu spielen. Danach ging es nach draußen an die frische Luft. Wir rannten wie der Wind in das nächste Kaufhaus zu "unserem" NES. Mittlerweile waren wir die Großen. Die Vorführstation mit den Game & Watch Spielen gab es da schon lange nicht mehr.  



Anmerkungen: Dieser Bericht ist ein Mischmasch aus Autobiographie und einer Prise Fiktion.

Ich schreibe bewusst "der NES (N-E-S)" und "das Nintendo Entertainment System", so nannten wir das Ding damals.

Das erste Spiel, welches ich damals auf dem NES spielte war Ice Climber. Ich kann es kaum erwarten, diesen Titel (so Nintendo will) auf der Switch zu spielen. Fast 30 Jahre später.

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @tenboemedia

Sonntag, 19. Februar 2017

Was bitteschön sind Japan Rollenspiele und welche JRPGs kommen für die Nintendo Switch?

Mit "I am Setsuna" erscheint am 03. März pünktlich zum offiziellen Release der Nintendo Switch ein Rollenspiel von Square Enix. Den Namen dieses Publishers von Videospielen und Mangas hat man als Normalsterblicher hauptsächlich wegen der bekannten Final Fantasy-Reihe im Kopf. Da Starttitel einer neuen Konsole sowieso besondere Aufmerksamkeit genießen, aber auch der Titel des Spiels aus der Masse heraussticht, bin ich neugierig geworden. So wollte ich mir gerne mal erklären lassen, was es mit Japan Rollenspielen, bzw. JRPGs auf sich hat, was man sich grob darunter vorstellen kann und welche Titel wir für die Switch erwarten dürfen. Darüber gab mir meine Gesprächspartnerin Meykota (Twitter: +Meykota Florage ) Auskunft:

Hallo Meykota, bitte stell dich doch mal kurz vor!

Hallo, mein Name ist Meykota und ich bin Chefredakteurin auf www.gamers-palace.de . Ich bin 27 Jahre alt und wohne im wunderschönen Leipzig. Für Videospiele begeistere ich mich schon eine ganze Weile und bin da - trotz all meiner Kritik - doch am liebsten auf PlayStation Konsolen und Handhelds zu finden, auch wenn ich mir sehr viel von Nintendo Switch erhoffe. Am liebsten spiele ich Simulationen (diese meistens am PC) und japanische Rollenspiele, bin aber manchmal auch für andere Genre zu haben, sofern es nichts mit Schießen zu tun hat. 

Beschreibe uns doch bitte mal, was JRPGs von gewöhnlichen Rollenspielen unterscheidet.

Sehr gern, auch wenn ich hier liebend gerne auf meine eigene Definition zurückgreifen möchte. Für mich sind westliche Rollenspiele wie beispielsweise Skyrim eher realistische Darstellungen des Mittelalters oder den verschiedenen Formen dieser Zeit. So ist beispielsweise ein The Witcher III: Wild Hunt auch eher am Mittelalter orientiert denn an anderen Epochen. Ein JRPG im Vergleich ist dabei etwas ... abgedrehter in vielerlei Hinsicht. Ich spreche hierbei übrigens nicht von den westlichen JRPGs wie beispielsweise Final Fantasy, die mittlerweile doch sehr stark unter dem Einfluss des westlichen Publikums stehen, sondern von den japanischen Rollenspielen, die aus dem Hause NIS America, idea Factory oder Koei Tecmo kommen. Diese Spiele sind in der Regel bunter und greller als westliche Rollenspiele, man muss wirklich einen Faible für sie haben, sonst wird man mit ihnen nicht so richtig warm. In den meisten Fällen folgt ein JRPG einem rundenbasierten Kampfsystem, so beispielsweise in der Hyperdimension Neptunia Reihe, während es bei einigen Reihen darauf ankommt, gigantischen Schaden zu verursachen. Beispielsweise wird Disgaea 5 Complete Edition für Nintendo Switch erscheinen und hier ist es wichtig, viel Schaden zu verursachen, da man sonst einfache keine Chance hat.
Zudem unterscheidet sich meiner Meinung nach ein JRPG von einem Rollenspiel allein schon durch den Humor. Die meisten Spiele nehmen sich hierbei ganz gern selbst auf die Schippe, so wird in Disgaea 5 beispielsweise das Tutorial sehr auseinander genommen und vom Protagonisten schon fast als lächerlich hingestellt. Den Humor sollte man in JRPGs definitiv nicht verachten, da doch der eine oder andere Lacher drin steckt. Was auch nicht vergessen werden sollte, sind die Individualisierungen in JRPGs. In den meisten japanischen Rollenspiele kann man den vorgegebenen Charakter noch anpassen und ihm typisch japanische Elemente verpassen wie beispielsweise die bekannte Marmeladentoastscheibe, die dann im Mund steckt. Das ist zum Beispiel bei Spielen aus dem Hause idea Factory der Fall.
Es sind aber auch Kleinigkeiten, die ein japanisches Rollenspiel von einem westlichen unterscheidet, der größte Unterschied dürfte jedoch die Grafik sein. Wie bereits erwähnt, wollen westliche Rollenspiele eher realistisch und düster sein, während man japanischen Rollenspielen die Nähe zu Manga und Anime doch sehr gut ansieht. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man zu The Witcher 3: Wild Hunt oder Hyperdimension Neptunia VII greifen soll, sollte man sich fragen: Welche Grafik mag ich lieber? Welchen Humor erwarte ich? Worauf möchte ich mich einlassen?
Zusätzlich kann man noch sagen, dass japanische Rollenspiele einen hohen Grad an Nacktheit aufweisen, jedoch immer im japanischen Stil: Man sieht nichts, aber kann sich sehr viel vorstellen, wenn ihr wisst, was ich meine.

Wie kann sich jemand, der sich sein Leben lang nur mit Jump 'n' Runs und Actionspiele befasst hat, das Spielsystem grob vorstellen? Worin liegt der besondere Reiz?

Uh, knifflig. Das kommt hier wirklich darauf an, welches Spiel du dir wählst. Nehmen wir als Beispiel das mittlerweile doch etwas verwestliche Final Fantasy. Allein bei dieser Reihe gibt es ganz verschiedene Systeme, die pro Titel verwendet werden. Final Fantasy XV zum Beispiel ist ein Action-RPG. Das bedeutet, dass es keine Kampfarena gibt, sondern man einfach, ähnlich wie bei einem Hack & Slash, draufhaut und Magie verwenden kann, bis der Gegner tot ist. Man ist hierbei nicht an Runden gebunden, sondern kann einfach seinem Instinkt folgen. Ein ähnliches Kampfsystem wurde schon bei Final Fantasy XII verwendet, das in diesem Jahr eine Neuauflage erhält. Hier ist das Kampfsystem auch offen und nicht an Runden gebunden, jedoch kann man seinem Charakter bestimmte Makros einrichten, sodass er auch ganz alleine kämpfen und agieren kann. Im Gegensatz zu Final Fantasy XV ist Final Fantasy XII jedoch weitaus langsamer. Dann wiederum gibt es das klassische Rundensystem aus Final Fantasy X: Jeder Charakter darf einen Zug machen, dann ist der nächste dran. Bei diesem System kann man sich pro Zug so viel Zeit nehmen wie man braucht, um zu überlegen, was nun am sinnvollsten ist. Diesem System folgen im Grunde die meisten JRPGs der heutigen Zeit. Und dann gibt es noch das Aktive Rundensystem (Active Time Battle oder ATB). Auch bei diesem System läuft alles in Runden ab, jedoch verfügt jede Figur im Kampf über eine Art Ladebalken, ist dieser Balken voll, führt die Figur einen Angriff aus - oder eben nicht, wenn man als Spieler keinen ausgewählt hat. Dieses Prinzip taucht beispielsweise in Final Fantasy VIII oder Final Fantasy XIII auf.
Das heißt, es ist gar nicht so einfach, die Spielsysteme am sinnvollsten zusammenzufassen, ohne auf alle verschiedenen Arten einzugehen. Im Grunde folgen die meisten japanischen Rollenspiele dem normalen Rundensystem, sodass man sich als Spieler doch sehr viel Zeit für seine Angriffe nehmen kann.
Der besondere Reiz hingegen liegt bei allen Spielen bei mir am Gesamtpaket: Wenn man ein tolles Kampfsystem hat, das Spaß macht, dann ist fast jedes Spiel toll. Mir gefällt bei den japanischen Rollenspielen immer auch das Drumherum, so gibt es zum Beispiel bei der Neptunia Reihe einige Minispiele, die man nebenbei erledigen kann, um tolle Items oder andere Dinge freizuschalten. Zudem liegt der Reiz definitiv immer im Setting und in der grafischen Darstellung. Mit einem Skyrim oder einem Witcher kann ich einfach nichts anfangen, während mich allein der kurze Teaser zu Shin Megami Tensei: Persona aus der Nintendo Switch Präsentation gehypet hat.

Welches sind die Genre-Klassiker und deine persönlichen Favoriten?

Auch diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, da ich mich ungern auf bestimmte Spiele festlegen kann und will. Ich versuche es aber gerne :) Genre-Klassiker sind, besonders im Westen, Final Fantasy und Shin Megami Tensei: Persona. Ich bin, zugegebenermaßen, noch nicht so alt um ältere Spiele wirklich einschätzen zu können, aber das dürften die beiden Reihen sein, von denen die meisten Leute definitiv irgendwann gehört haben. 
Meine ganz persönliche Favoriten kommen alle aus dem Hause idea Factory, zumindest was heutige JRPGs betrifft: Ich liebe die Fairy Fencer F Reihe und die Hyperdimension Neptunia Reihe, beide Reihen folgen einem gleichen Kampfsystem und sind unter anderem auch auf Steam zu finden. Ich mag bei diesen beiden Reihen einfach den Humor unheimlich und empfehle zudem jedem Gamer einen Blick auf die Neptunia Reihe zu werfen, denn hier wird der Console War auf eine ganz neue Ebene gehoben: In der Welt Gamindustri herrschen vier CPU - Göttinnen, die vier Reiche regieren und unterschiedliche Videospielplattformen darstellen. Das ist einfach nur zu göttlich und immer für nicht nur einen Lacher zu haben.

Was kommt (wahrscheinlich) für die Nintendo Switch, und gehst du davon aus, dass die Entwickler die besonderen Eigenschaften der Konsole berücksichtigen werden, was Steuerung und Spiele-Design betrifft?

Bestätigt sind bisher I Am Setsuna, das dem klassischen JRPG-Design der ursprünglichen Final Fantasy Spiele folgt, und Disgaea 5 Complete Edition, das ich bereits im Vorfeld erwähnt habe. Zusätzlich ist ein Persona Spiel in Entwicklung und wie ich NIS America und den aktuellen Trend einschätze, dürfen wir auch hier den einen oder anderen Titel sehen. Leider halten sich die Publisher noch sehr bedeckt und verraten noch nicht so viel, doch ich bin mir sicher, dass sich besonders in Richtung E3 und gamescom doch noch der eine oder andere Titel ankündigen lässt. Ich hoffe sehr auf die Atelier Reihe, da diese Reihe sehr gut auch für unterwegs geeignet ist. So war es beispielsweise eine kluge Entscheidung Atelier Shallie auf die Vita zu bringen, da man dieses Spiel entweder in einem langen Zeitraum spielen kann oder auch mal eben fix in der Bahn. Auf solche Spiele hoffe ich sehr für die Nintendo Switch, vor allem im JRPG-Bereich. 
Hmmm, ich hoffe vor allem, dass die Entwickler darauf achten werden, dass die Akkuleistung im Handheld-Modus nicht zu stark gefordert wird. Es gibt beispielsweise JRPGs auf der PlayStation Vita, bei denen man problemlos sechs oder acht Stunden spielen kann, aber bei einigen anderen ist bereits nach zwei oder drei Stunden Schicht im Schacht. Deswegen hoffe ich, dass diese Spiele besonders optimiert werden, sodass man auch wirklich Spaß unterwegs haben kann. 
Und jetzt lehne ich mich ein bisschen arg weit aus dem Fenster, da man Birnen nie mit Äpfeln vergleichen sollte, doch ich denke, dass man die Nintendo Switch von der Handhabung im Handheld-Modus her eher mit der PlayStation Vita vergleichen kann. Das bedeutet, wenn beide JoyConns am Screen befestigt sind, sollte es keine Schwierigkeiten geben - hier ist dann doch eher auf das Design der JoyConns zu hoffen. Ansonsten denke ich, dass die Umsetzung in den meisten Fällen gut ausfallen wird, im Gegensatz zu PlayStation 4 hatte die Wii U zum Beispiel mit nicht so vielen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen, so denke ich, dass Nintendo auch bei der Switch eher technisch die Nase vorn haben wird und da Entwickler wie NIS America bereits bestätigt haben, dass sie an Spielen arbeiten, habe ich hier keinerlei Bedenken.

Oh, ich hab da ein wichtiges Spiel beinahe ganz vergessen. Xenoblade Chronicles 2 ist natürlich auch ein JRPG, auf das ich mich auch sehr freue. Allerdings gestehe ich, dass ich Xenoblade Chronicles auf der Wii U nicht gespielt habe und deswegen auch nicht genau weiß, wo ich das einordnen kann, aber zumindest hatte dies auch sehr viele Elemente eines JRPGs. Was man bisher zu Xenoblade Chronicles 2 gesehen hat, sieht sehr vielversprechend aus und geht vom grafischen Stil her eher in Richtung Final Fantasy IX - dürfte also auch super werden. Hier bin ich gespannt, wie sich die News zum Spiel entwickeln und auf jeden Fall wird dies meine Eintrittskarte für Nintendo Switch 

Vielen Dank für die ausführlichen und aufschlussreichen Antworten!

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)

Nintendo Switch Memes Folge 1

In unserem Blog verzichten wir für gewöhnlich auf Bilder, Videos und bunte Hintergründe. Das geschriebene Wort steht bei uns im Vordergrund.

In unregelmäßigen Abständen wollen wir euch zur Auflockerung allerdings gerne auch mal Memes, Fanart und andere Netzfundstücke präsentieren.

Gerade bei sogenannten Memes ist die Originalquelle schwer festzustellen (es sei denn, sie ist im Bild mit eingebaut, aber selbst das muss nichts heißen). Falls euch die Urheber der gezeigten Werke bekannt sind, bitte einfach eine kurze Nachricht schicken, damit wir verlinken können.


















Samstag, 18. Februar 2017

Der Computer Bild Nintendo Switch Unboxing Fail

Am heutigen Samstag, den 18. Februar im Jahre 2017 n. Chr. bot sich um die Mittagszeit dem geneigten Nintendo-Fan eine skurrile Szenerie auf der größten Social Media-Plattform dieses Planeten, genannt Facebook.

Zwei Redakteure (oder waren das doch eher Praktikanten?) der Computer Bild kamen auf die Spitzenidee die gerade frisch eingetroffene Nintendo Switch Konsole per Live-Schalte vor den Augen und Ohren der ganzen Welt auszupacken. Das nennt man dann neudeutsch Unboxing und wäre an sich ein feiner Fan-Service gewesen. Schließlich hätte man ja auch einfach im Nachhinein darüber berichten können. So aber konnte wirklich jeder Interessierte live dabei sein, wie die wahrscheinlich allererste Nintendo Switch vor den Augen der Weltbevölkerung in Echzeit entblättert wurde.
Die Übertragung sorgte allerdings von Anfang an für Irritationen. So wurde die Aktion mit der Selfie-Kamera eines iPhones gefilmt. Was passiert, wenn man mit der Selfie-Kamera filmt? Richtig: Das Bild ist spiegelverkehrt. Nicht gespiegelt, sondern spiegelVERKEHRT! So waren aus der Perspektive des Zuschauers die Joy-Con an den falschen Seiten angebracht, alle Texte, Logos etc. gedreht und auch die Qualität des Bildes litt, weil die Wahl auf die deutlich schwächere vordere Kamera des Apple Telefons fiel.

Dass einer der beiden Experten dem Publikum zu Beginn unterstellte, noch verkatert vom Vorabend zu sein, traf wohl in erster Linie auf ihn selbst zu. Anders lässt sich nämlich schwer erklären, dass ein Journalist das englische Wort "Breath" nicht korrekt aussprechen kann, er die Joy-Con auf dem Boden fallen lies und die Fachsimpelei mit seinem Sidekick derart viele faktische Fehler enthielt und überhaupt eine generelle Vertrautheit mit dem Thema gänzlich vermissen ließ.

Nun will ich an dieser Stelle nicht arrogant und voll Häme mit dem Finger auf die beiden zeigen (na gut, ein wenig schon), doch war es wirklich ärgerlich, dass diese Aktion derart dilettantisch am Thema vorbeiging. Aussagen etwa, dass nur vier Spiele in diesem Jahr erscheinen würden, sind faktisch falsch, geschäftsschädigend für Nintendo und für den Ruf der Computer Bild ganz und gar nicht förderlich.

Mittlerweile hat irgendjemand beim Axel-Springer-Verlag wohl geschnallt, dass diese Aktion, egal wie gut sie zu Beginn gemeint gewesen sein mag, nicht ganz so schlau war. Vor allem auch im rechtlichen Sinne - evtl. kam da ja auch ein Wink mit dem Betonpfahl aus Japan. Der Beitrag wurde jedenfalls kommentarlos gelöscht, da die Switch wohl ein oder zwei Tage vor dem geplanten Termin etwas vorschnell der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Doch das Internet vergisst ja bekanntlich nie.

Liebe Computer Bild. Ich habe mir euer Video von der Präsentation der Switch mehrmals angesehen, weil ich es wirklich ansprechend und informativ fand. Die Aktion heute war das genaue Gegenteil davon. Schwamm drüber, ich freue mich auf viele weitere kompetente Berichte von euch, denn im Regelfall erfüllt ihr dieses Kriterium.

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)

Freitag, 17. Februar 2017

Die vermeintliche Zelda Abzocke und viel Empörung

So, es wird also einen sogenannten Expansion Pass für "The Legend of Zelda - Breath of the Wild" (ein schöner th Lispel-Tongue-Twister den Nintendo uns Deutschsprachlern da eingebrockt hat) geben.

Meiner einer, dessen letzte große eigene Nintendo Konsole der N64 war, muss da erstmal nach der Erklärung googeln, was so ein Pass überhaupt sein soll. Denn googeln lohnt sich in diesem Fall allein deshalb, weil die Ankündigung durch den im Video durchaus sympathischen, aber etwas ungelenk wirkenden Eiji Aonuma (der Produzent der Serie) sehr hohe Wellen schlug. Der neudeutsche Shitstorm entfachte einen Sog, der das Gras im neuen Zelda-Abenteuer hübsch zum Tanzen gebracht hätte.

Ok, es wird also kostenpflichtigen Zusatzkontent als Download geben. Im Sommer und dann nochmal im Winter 2017. Für insgesamt festgesetzte 20,- Euro.

Das könnte man theoretisch erstmal so sacken lassen. Aber nein, wir leben ja im digitalen Zeitalter. Wir besitzen die technischen Möglichkeiten, schön aus der Deckung heraus unsere ungefilterte Wut über Dinge die uns nicht passen, den Verantwortlichen und allen Anderen ungefragt um die Ohren zu klatschen. Dabei sollte doch mittlerweile auch der letzte Neuankömmling im Internet verstanden haben, dass man mit wüsten Beschimpfungen vor allem eines erreicht: Man macht sich lächerlich. Was man zusätzlich bewirkt: Derjenige am anderen Ende der Leitung blockiert, anstatt sich für konstruktive Kritik zu öffnen. 

Nun sollte man diese Empörung trotz der teilweise ekelhaften Wortwahl nicht allzu ernst nehmen. Erstens sind es im Affekt geschriebene, nicht zu Ende gedachte Gedanken. Zweitens haben wir im Falle von "The Legend of Zelda - Breath of the Wild" sowieso alle keinen Plan. Weder die wohlwollenden Fans, noch die Entrüsteten. Wir wissen einfach nicht, wie das Spiel wird, welchen Umfang es aufweist und ob uns tatsächlich mit den (ich nenn sie mal) Updates etwas Entscheidendes vorenthalten wird, um dann dreist zweimal abzukassieren. Wir wissen es nicht.

Was wir allerdings wissen: Diese Spiel ist so ziemlich eines der wichtigsten Produkte, die Nintendo je auf den Markt gebracht hat. Und ich nehme es Nintendo ab, dass sehr viel Herzblut, Leidenschaft und Können in dieses Spiel gesteckt wurde.

Die Neuauflage des NES hat uns allen doch eines gezeigt: Die damaligen Spiele waren aufgrund der technisch begrenzten Möglichkeiten schwer und kurz. Und deshalb auch oft sehr frustrierend. Das neue Zelda ist genau das Gegenteil. Es wird unendlich groß sein. Und wenn Nintendo für 20,- Euro (wir reden hier von zwei Gin Tonic für mich oder einen nicht besonders bunten Blumenstrauß für die Herzensdame im Jahr weniger) dieser großartigen Welt von Hyrule noch ein wenig mehr Unendlichkeit hinzugefügt, dann werde ich nicht zögern den 20er zu blechen.

Immer vorausgesetzt, "The Legend of Zelda - Breath of the Wild" kann nur im Ansatz meine viel zu hoch gesteckten Erwartungen erfüllen.

Habt euch lieb - es ist nur ein Spiel!


Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)

Donnerstag, 16. Februar 2017

1-2-Gsuffa .. die Switch und der Schnaps

Es gab wohl selten eine Konsole, welche von der Videospiele-Welt so gespannt erwartet wurde wie die NX. Die Nintendo-Jünger hielten sich mit dem (New) 3DS und einer handvoll Wii U Titel über Wasser. Die Xbox-Sony-Steam Fraktion scharrte währenddessen schon mit den Hufen, um Big N genüsslich grandios scheitern zu sehen
 
Denn ganz ohne Übertreibung: Wollte Nintendo als halbwegs ernstzunehmender Konsolenhersteller existent bleiben, musste ein innovativer Kracher her! 

Nun ja. Als dann der erste Trailer für die Nintendo Switch im Netz veröffentlicht wurde, machte sich neben der übliche Häme vor allem einmal kollektive Ratlosigkeit breit. Eine Handheld-Konsole mit Dockingstation - schön und gut. War ja fast zu erwarten. Aber was sollten diese komischen seitlichen Mini-Gnubbel-Steuerungs-Dinger? Soll man die ernsthaft als Controller für Mario Kart und Co verwenden? Ich glaube, ich war nicht der Einzige, der dieses sehr bemühte Werbefilmchen im IKEA-Urban-Lifestyle-Look als Sargnagel der noch nicht einmal im vollen Umfang angekündigten Konsole empfand. Als dann noch "1-2-Switch" vorgestellt und schließlich bekannt wurde, dass es der Konsole nicht mal beiliegen würde, drohte die ganze Geschichte ins völlig abstruse abzurutschen. 

Mittlerweile, muss ich zugeben, hat sich der Wind um mehrere 180 Grad gedreht. Ich kann selber nur das Wiedergeben, was ich in unzähligen Videos, Podcasts und Beiträgen für mich persönlich herausgefiltert habe: Die HD Rumble-Funktion der Joy-Con Controller hat selbst die größten Kritiker zumindest überrascht, wenn nicht sogar nachhaltig beeindruckt. Was am Anfang nur wie die lächerliche Karikatur eines schlüssigen Konzeptes wirkte, machte mit jeder weiteren Enthüllung, mit der wachsenden Zahl an Fan-Events und mit den mehr und mehr begeistert wirkenden Reaktionen der Besucher immer mehr Sinn. Und auch bei "1-2-Switch" gab es eine einhellige Meinung: Man kann zwar nicht voraussagen, wie langfristig diese Mini-Spielchen Spaß machen werden, aber sie machten eben definitiv sehr viel Spaß. 

Mich hat das überzeugt. Zu gerne erinnere ich mich an unzählige feuchtfröhliche Partynächte mit Wii Sports. Ich werde mir neben Zelda auch die kleine Spiele-Sammlung zum Release holen. 




Und zwar in erster Linie nicht wegen mir, sondern wegen meinen Kumpels. Wegen diesen Kumpels, die mich verlachen, weil ich mir die Switch hole. Wegen den Kumpels, die gerade das zehnte "Assassin's Creed" spielen und nach kürzester Zeit gelangweilt sind. Wegen den Kumpels, die in ihrer Ignoranz die Grafik und die offene Welt von "Zelda - Breath of the Wild" nur müde belächeln, bevor sie sich wieder die VR überziehen. 
Genau diesen Kumpels werde ich nach dem dritten Bier und ein, zwei Runden Fernet die Joy-Con Controller in die Hand drücken. Und dann lass ich sie Kugeln schätzen, Klingen wetzen, Kühe melken, Milchbärte rasieren und ein wenig Cowboy spielen. Und sie werden an diesem Abend den Spaß ihres Lebens haben. Und sie werden milde zugestehen, dass der Ansatz von Nintendo wohl doch ein klein wenig Innovation birgt. Und sie werden am nächsten Tag verkatert wieder ihr "Assassin's Creed" spielen. Und insgeheim wird in ihnen der Gedanke, sich früher oder später ebenfalls eine Switch zu besorgen, wie eine zarte Pflanze heranwachsen. Und ich werde diese Pflanze Woche für Woche etwas gießen. Mit den Party-Spielchen von "1-2-Switch", mit reichlich Bier und mit dem ein oder anderen Fernet.

Prost!

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)

Montag, 13. Februar 2017

5 gute Gründe für den Erfolg der Nintendo Switch

Am 03.03.2017 ist es endlich soweit! Nach 5 Jahren veröffentlicht Nintendo wieder eine neue stationäre Konsole, die auch als Handheld funktioniert. Oder ist die Switch ein Handheld, welcher sich per Dockingstation und Pro Controller als vollwertige Konsole tarnen lässt? 

Völlig egal! Denn mittlerweile greift, nach anfänglicher Skepsis, die Begeisterung für das neue Flaggschiff von Big N um sich.

Hier kommen 5 Gründe, die unserer bescheidenen Meinung nach die Nintendo Switch nicht nur zu einem Musthave machen, sondern auch dafür sorgen werden, dass ihr ein großer Erfolg bevorsteht:

1. Die Nintendo Switch ist die erste vollwertige mobile Konsole. Nachdem das Telefon, das Internet, der Computer, Filme und Serien, sowie das Büro in den letzten Jahren und Jahrzehnten mobil geworden sind, ziehen jetzt endlich die Konsolen nach. Handhelds gibt es schon seit den 1980er Jahren. Ich rede allerdings von ernstzunehmender Mobilität, ohne größere Abstriche. Sowohl der Bildschirm, die Spiele, als auch die Bedienbarkeit stehen mit der Nintendo Switch den Möglichkeiten stationärer Konsolen erstmals in nichts mehr nach. Klar muss man Abstriche in Sachen Rechenpower, gerade im Vergleich zu den aktuellen Versionen von Playstation und Xbox machen. Allerdings ist dies wohl in erster Linie der Firmenphilosophie von Nintendo, sowie der Leistung aktueller Stromspeicher-Technologie geschuldet. Mein iPad Pro 9.7 ist wirklich ein ausdauernder Kraftprotz in Sachen Mobilität. Bei aufwändigen Spielen schmilzt allerdings auch bei dem aktuellen Apple Device die Lebensdauer einer Ladung auf ein Häufchen Elend zusammen. Eine Akkulaufzeit unter zwei Stunden wäre dem Endkunden nicht zu vermitteln gewesen und hätte dann auch nicht mehr wirklich das Prädikat "mobil" verdient gehabt. Hier hat Nintendo einen hervorragenden Mittelweg aus ansprechender Leistung und (hoffentlich) minimum drei Stunden Spielspaß eingeschlagen. Und ich bin überzeugt davon, dass "Zelda: Breath of the Wild" noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, was Grafik und Performance anbelangt, darstellt. Hier musste die ursprüngliche Version der Wii U herhalten. Bei von Grund auf für die Switch realisierten Produktionen wird da sicherlich noch eine Schippe draufgelegt.

2. Die Switch spricht (auch) ein Publikum an, welches im Regelfall etwas Kohle hat und länger abstinent in Sachen Nintendo war. Die Möglichkeit, direkt vom Fernseher im Handheld-Modus weiterzuspielen, ist im Gegensatz zur Wii U nun überzeugend umgesetzt und stellt ein wichtiges Kaufargument für eine sehr interessante und reizvolle Zielgruppe dar: Den Mittdreißiger/die Mitdreißigerin, welche(r) sich den heimischen Fernseher nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit seinen Kindern teilen muss. Denn sind wir doch mal ehrlich: Fernsehen ist out. Die Zeiten, in denen jeder eine eigene Glotze im Zimmer stehen hatte, sind mit bezahlbaren Tablets und Laptops passé. Jeder nutzt heutzutage seinen eigenen Screen, oftmals parallel sogar zwei. Da läuft via Stream die Übertragung der Oscar-Verleihung auf dem Smart TV und nebenbei wird das Geschehen am Smartphone auf Twitter kommentiert. Die Möglichkeit im selben Raum, brav daneben sitzend, das neue Zelda zu spielen ist einfach grandios. Die Switch ermöglich eine vollwertige Videospielerfahrung in friedlicher Koexistenz zu den YouTube/Mediathek/Netflix-Gewohnheiten des Partners oder der Kinder.

3. Gerade die oben angeführte Zielgruppe wird (angefixt von der kleinen Nintendo Classic Kiste) es sehr zu schätzen wissen, wie qualitativ hochwertig und unkompliziert Retrogaming auf der Switch möglich sein wird. Gab es zwar alles schon für die Wii U und den 3DS. Doch der 3DS ist ein Spielzeug (in den Augen eines 35jährigen, dessen Hauptlebensinhalt eben nicht aus Gaming besteht), und die Wii U ist der umständliche Nachfolger der überraschend spaßigen Wii, den wirklich niemand aktuell mehr braucht. Ein sehr kluger Schachzug war die Ankündigung von Sonic, das Jubiläum von Street Fighter II und eine Neuauflage des Multiplayer Monsters Bomberman. Allesamt Spiele, die gerade in den 1990er für Aufruhr sorgten und welche in den Erinnerungen der oben beschriebenen Konsumenten noch sehr präsent sind. Retrogaming im Sinne 'von wie man die Spiele in Erinnerung hat und nicht wie sie tatsächlich oftmals waren (schwer, kurz und frustrierend)' ist hier das Motto.

4. Gerade der Misserfolg der Wii U wird zum Siegeszug der Nintendo Switch einen großen Beitrag leisten. Gelegenheitsspieler, die Nintendo mit dem DS Lite (man denke nur an die TV Werbung für "Gehirnjogging" mit Heidi Klum) und der Wii (man erinnere sich an die zahllosen Partynächte mit "Wii Sports") völlig unerwartet in seinen Bann zog, sind nun alle 10 Jahre älter, haben Jobs und werden, sobald sie das erste Mal in den Genuss der HD Rumblefunktion von Joy-Con R und Joy-Con L kommen, vor Freude ausrasten. Wir reden hier vielleicht nicht von 2017. Aber spätestens im Jahre 2018 werden viele Menschen die Switch zumindest mal kurz in den Händen gehalten haben und sie wird auch deutlich weniger kosten als zum Release. Ein Bundle mit "1-2-Switch" für orakelte 280,- Euro dürfte viele Gelegenheitsspieler schwach werden lassen.

5. Nintendo macht beim Marketing der neuen Konsole endlich einmal vieles richtig. Einerseits bleiben sie in Sachen Grafik ("Arms", "Splatoon") ihrem umstrittenen Stil treu, andererseits gehen sie selbstbewusst auf die Menschen zu. Auf unzähligen Events wurden Promis, Influencer, zufällig ausgewählten Menschen und Normalsterblichen das Gerät in die Hand und aufs Auge gedrückt. "Da, probier mal aus! Fass mal an! Und egal, ob du 'Arms' auf den ersten Blick albern, überflüssig und für kein vollwertiges Spiel hältst - probiere es doch einfach mal aus!" Diese Art von Guerilla-Marketing funktioniert nur, wenn man ein richtig heißes Eisen im Feuer hat. Und siehe da: Die abgebrühtesten Hardcore-Zocker schwärmen plötzlich vom Kühe melken und einem Dowmload-Titel ("Snipper Clips") mit Kindergrafik, den vor einigen Wochen noch niemand kannte, geschweige denn freiwillig eine einzige Sekunde Aufmerksamkeit erübrigt hätte.

Die Nintendo Switch ist jetzt schon ein großer Wurf. Der Erfolg wird sich mit dem sinkenden Einstiegspreis einstellen. Darauf verwette ich meine sprichwörtliche Oma!

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)

Sonntag, 12. Februar 2017

Klassische Adventures auf der Nintendo Switch?

Vor langer, langer Zeit, als es noch kein Internet gab, entwickelte ein gewisser Ron Gilbert für die Computerspiele-Schmiede von George Lucas seine ganz eigene Version eines Computerspiels. Mit "Maniac Mansion" erschien 1987 bei Lucasfilm Games (heute: LucasArts) ein sogenanntes Point-and-Click Adventure, welches die Herzen der Spieler (insbesondere in Deutschland) im Sturm eroberte und auch heutzutage noch glühend verehrt wird. Es folgten zeitlose Klassiker wie "Zak McKracken and the Alien Mindbenders", "The Secret of Monkey Island" 1 + 2 (alle drei auch von Gilbert), "Indiana Jones and the Fate of Atlantis", "Day of the Tentacle" (Maniac Mansion Teil 2), die Larry-Spiele, Sam und Max, Vollgas und und und ....

Das Markenzeichen dieser Adventures war neben der (für die damalige Zeit für Videospiele) ungewöhnlich hochwertigen erzählerischen Tiefe auch der abstruse Humor, sowie das hohe Maß an Spannung, welches die Menschen vor den Röhrenscreens begeisterte.

Wir spielten damals den Originalteil von "Maniac Mansion" auf dem Commodore C64. Das Zirpen der Grillen vor der Horrorvilla der völlig durchgeknallten Familie Edison ist bis heute eine meiner wahrhaftigsten Kindheitserinnerung, was Computer-/Videospiele anbelangt. Vergleichbar mit dem Geräusch, wenn man bei "Super Mario Bros" vom Gegner geschrumpft wurde und das nervtötende Kauderwelsch von Go-Go-Gadgetto-Yoga in "Street Fighter II".

Der quasi Nachfolger "Zak McKracken" war für uns aufgrund des Kopierschutzes (wenn ich mich recht entsinne bestand dieser aus unzähligen Codes mit schwarzer Schrift auf dunkelbraunen Papier gedruckt und war somit mit einem Kopiergerät nicht zu vervielfältigen - wir waren damals ca. 8 Jahre alt), dann nur noch ein kurzes Vergnügen.

Mit dem Erscheinen des Game Boys erlosch mein Interesse für die umständlich zu ladenden Computerspiele. Unterwegs zocken, einfach die Kassette einlegen, immer (wenn die Batterien Saft hatten) und überall - das war genau mein Ding. Sehr überrascht war ich damals, als "Maniac Mansion" tatsächlich auf dem NES portiert wurde. Ich habe es ehrlicherweise nie gespielt. Ich würde als Grund gerne angeben, dass mir die geänderte Grafik und die Zensur, die dem Spiel widerfuhr, schon als Kind nicht zusagte. Die Wahrheit ist weit weniger romantisch und idealistisch. Wir konnten uns damals Spiele nur gebraucht leisten. Und "Maniac Mansion" war beim Händler um die Ecke ("Pegnitz Basar") nie in der Auslage.

Nachdem ich sehr viele portable Konsolen bis 2001 besessen habe (Game Boy, Game Gear, Nintendos Megaflop Virtual Boy, Nintendo DS, Neo Geo Pocket Color) und dementsprechend wenige Adventures gespielt habe (nach "Zak McKracken" nur noch etwas "Monkey Island" bei einem Klassenkameraden und "Indiana Jones and the Fate of Atlantis" im Fachgeschäft für Personal Computer), erscheint nun in weniger als drei Wochen der Handheld von dem ich immer geträumt habe: Technisch stark (für ein portables System), keine spielerischen Abstriche, an den Fernseher anstöpselbar und (das wichtigste Kriterium) von NINTENDO!

Was Videospiele betrifft, habe ich aufgrund meiner inaktiven Zeit in den letzten Jahren wirklich wenig mitbekommen. Umso erfreuter war ich davon zu lesen, dass Mastermind und Adventures-Pionier Ron Gilbert in Kürze ein neues Werk im alten Stil veröffentlicht. Ein lesenswertes Interview, welches im Rahmen seiner Promo-Tour durch Deutschland entstand, könnt ihr bei Gamers Global nachlesen: http://www.gamersglobal.de/interview/thimbleweed-park

Und die Tatsache, dass der gute Mann auch eine Portierung von "Thimbleweed Park" auf die Nintendo Switch plant, ist für mich persönlich wirklich die beste Neuigkeit, welche diese Woche bzgl. des neuen Nintendo Flagschiffs reingeflattert kam: https://www.gamereactor.eu/news/503893/Thimbleweed+Park+will+be+released+on+Nintendo+Switch/

Für alle, die mal wieder ein richtig, richtig gutes Adventure spielen möchten, (oder sich einfach generell mit dem Genre vertraut mach wollen) kann ich uneingeschränkt "Kathy Rain" von Raw Fury empfehlen: http://www.kathyraingame.com .
Nachdem ich bereits mehrere Stunden mit diesem Titel auf dem iPad Pro 9.7 verbracht habe, traue ich mich zu sagen, dass Tablets das optimale Medium für Adventures sind. Man hält das Spiel direkt in der Hand (was das Erlebnis meiner Meinung nach noch intensiver macht) und der Bildschirm ist groß genug für alle Details. Adventures könnten also zu den ersten Titeln gehören, die man auf der Switch komplett ohne Controller spielen wird.

Ich hoffe auf viele, viele Portierungen alter Klassiker und neuer (Indie) Produktionen!

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)

Freitag, 10. Februar 2017

Umfrage: Die Verfügbarkeit der Nintendo Switch im Einzelhandel am Releasetag

Weiteres Update (13.02.17)
Mittlerweile haben auch Galeria Kaufhof
"Hallo ____, vielen Dank für deine Nachricht. Hiermit informieren wir dich darüber, dass wir Nintendo bereits seit einigen Jahren nicht mehr im Sortiment führen. 
Schöne Grüße, ___ vom Galeria Kaufhof Service Management-Team"
und Saturn geantwortet
"Hallo Hubert, ja, das könnte gut möglich sein. Um ganz sicher zu gehen, fragst du am besten im SATURN Markt nach 🙂 Liebe Grüße"

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Update (12.02.17)
Die Media Markt-Filiale in der Nähe hat per Email geantwortet: "Hallo, Herr ______ !
Vielen Dank für Ihre Anfrage ! Wenn Sie jetzt noch reservieren, dann bekommen Sie in unserem Markt problemlos noch am 3. März Ihre Switch.
Ob beim Verkaufsstart Exemplare zum freien Verkauf zur Verfügung stehen werden, hängt von der Zahl der bis dahin noch eingehenden Vorbestellungen ab.Mit freundlichem GrußViele Grüße"

Na das ist doch mal ne Ansage - Daumen hoch!

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Ursprünglicher Beitrag: Nintendos neuer Hoffnungsträger ist bereits seit geraumer Zeit (was Vorbestellungen mit Auslieferung zum Release betrifft) vergriffen.Diese Tatsache nahmen wir zum Anlass, um am heutigen Freitag (10.02.) drei Wochen vor dem Erscheinen der neuen Konsole, bei den größeren Elektrofachandelsketten und Kaufhäusern nachzufragen, ob es die Switch für Laufkundschaft (bzw. campende Fanatiker) am 03.03. im Laden direkt zu kaufen geben wird.

Via Facebook haben, bzw. wollten, wir folgende (bewusst ein klein wenig naiv formulierte) Nachricht geschickt: 

"Liebes _______-Team.

Ich hätte eine Frage zu der am 03.03. erscheinenden Nintendo Switch. Da diese ja online mittlerweile bei den Vorbestellungen vergriffen ist (zumindest was die Auslieferung am 3. März betrifft), würde mich interessieren, ob ihr am Erscheinungstag Exemplare für die Laufkundschaft in euren Märkten anbieten werdet?

Viele Grüße"

Hier nun die Ergebnisse der verschiedenen Händler im Einzelnen:

Bei Euronics war eine Anfrage über den Facebook-Messenger problemlos möglich. Keine halbe Stunde später erreichte uns eine ausführliche und nett formulierte Nachricht: 

"Hallo _____, wir wissen noch nicht wie viele Geräte wir genau von Nintendo erhalten. Frage am besten direkt bei deinem Händler vor Ort nach und eventuell kannst du dir ein Gerät reservieren lassen. 

Bei weiteren Fragen kannst du dich gern jederzeit melden. 

Einen EURONICS Händler in deiner Nähe findest du hier:
https://www.euronics.de/haendlersuche/" 

Wir haben einen Euronics-Händler über die Homepage lokalisieren können und eine Anfrage per Email geschickt. Diese hat unser Postfach allerdings erst in den Abendstunden verlassen, eine Antwort steht verständlicherweise noch aus.


Als nächsten Anbieter haben wir Saturn Deutschland angeschrieben. Leider erfolgte zu unserem Erstaunen keinerlei Reaktion (Nachricht wurde offenbar nicht gelesen).


Bei Galeria Kaufhof wurde unsere Nachricht zwar geöffnet, man hielt es allerdings nicht für nötig zu antworten.


Media Markt antwortete innerhalb 90 Minuten, kurz, knapp und ohne sich groß mit abschließender Grußformel aufzuhalten: "Hallo _____, wende Dich dazu an den Markt. Die Märkte und der Onlineshop sind eigenständig."

Eine Email an den regionalen Markt blieb bisher unbeantwortet.


Karstadt antwortete per Facebook-Messenger am Mittag und erklärte nett und freundlich:

"Hallo _____, vielen Dank für deine Nachricht. Bitte schicke uns deine Frage per Mail an kundenzufriedenheit@karstadt.de. Dort hilft man Dir am schnellsten. Viele Grüße, dein KARSTADT-Social Media Team"

Eine Antwort auf unsere Anfrage per Mail erfolgte prompt: "Sehr geehrter Herr _____,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Leider bieten wir diesen Artikel nicht an. Mit freundlichen Grüßen"

Als Kind haben wir unzählige Nachmittage in der Spielwarenabteilung von Karstadt an Super Nintendo, Sega Mega Drive, Game Gear, Gameboy und sogar Atari Jaguar verbracht. Allein aus Nostalgie wäre ich einem Kauf der Switch an diesem Ort voller (auf Videospiele bezogene) Kindheitserinnerungen nicht abgeneigt gewesen.



Conrad Electronic war via Facebook nicht zu kontaktieren. Im Impressum der Facebook-Seite sind wir dann mit Umweg über die Homepage auf eine Email-Adresse gestoßen. Hier erhielten wir sehr freundliches Feedback: 

"Guten Tag, Herr ______,

vielen Dank für Ihre E-Mail.


Ich kann Ihnen nicht hundertprozentig zusichern, dass wir am Releasetag am 03.03. die Nintendo Switch in den Filialen termingerecht vorrätig haben.
Bei weiteren Fragen bin ich gerne für Sie da.
Freundliche Grüße und ein schönes Wochenende"


Expert (Tevi) war ausschließlich über ein Kontaktformular der Homepage zu erreichen. Hier antwortete man zügig und freundlich: 

"Hallo Herr _________,
Vielen Dank für Ihre Anfrage.
Leider müssen wir Ihnen mitteilen das wir selber nicht genau wissen wie viel Exemplare wir erhalten.
Vorbestellung können wir annehmen aber leider ohne Garantie.
Wenn Sie noch weitere Fragen hierzu haben stehe ich gerne zur Verfügung." 

Fehlende Kommas und die allgemeine Rechtschreibung lassen wir bewusst außen vor. Denn in erster Linie zählt als potenzieller Kunde die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Ansprechpartners.


Fazit: Gemäß dem Klischee der Service-Wüste Deutschland, gaben die Händler ein sehr unterschiedliches Bild bei der Beantwortung einer einfachen Kundenanfrage ab.

Die Tatsache, dass niemand genau voraussagen kann, in welchen Stückzahlen die Switch erhältlich sein wird, ist nicht weiter überraschend - dafür kann der Einzelhandel nichts.

Wir werden unser Glück am 03.03. pünktlich um 10.00 Uhr versuchen, wenn die Pforten unseres hiesigen Elektromarktes aufschwingen, und hoffentlich den Weg zu einem Exemplar der Nintendo Switch rot/blau freigeben werden.

Tobias Tengler-Boehm (Twitter: @TenBoeMedia)